Titicacasee – So fühlt sich Massentourismus an.

Titicaca

Der Titicacasee ist nicht nur der See mit dem wahrscheinlich coolsten Namen, sondern auch das höchstgelegene komerziell schiffbare Gewässer der Welt. Der See befindet sich auf 3812 m.ü.M. und umfasst eine Fläche von 8288 km2 (Referenz: Das ist etwa 15.5 mal der Bodensee!) in zwei Ländern, Peru und Bolivien.

Natürlich konnte ich mir diese Sehenswürdigkeit nicht entgehen lassen und nahm den Bus von Cusco nach Puno, wo ich um 5 Uhr morgens ankam. Die Tage nach Reise mit dem Nachtbus sind immer ein bisschen langsamer und weniger gefüllt, so buchte ich auch dieses Mal für jenen Tag nur eine Halbtagestour. Diese führte mich zu den imposanten Grabtürmen von Sillustani, etwa zwei Autostunden ausserhalb von Puno. Die hohen Türme aus massiven Steinblöcken stammen aus der Präinkazeit und markieren Gräber von wichtigen Mitgliedern der Gesellschaft. Und sie geben ziemlich coole Fotomotive ab.

Titicaca

Titicaca

Titicaca

Titicaca
Das ist noch nicht der Titicacasee, sondern ein anderer, kleinerer See neben den Sillustani-Grabtürmen.

Titicaca

Am zweiten Tag ging es aber dann auf den See – ich hatte eine zweitägige Inseltour gebucht, die einen zuerst auf die schwimmenden Inseln der Uros, dann auf die Insel Amantani und zum Schluss auf die Insel Taquile führt. Das ganze Unterfangen war extrem touristisch, aber da der See mit seinen Inseln sowieso komplett von Touristen überlaufen ist, gibt es nicht wirklich eine andere Möglichkeit, um den See zu erkunden. Und es war trotzdem spannend, die verschiedenen Dörfer zu besuchen und einen kleinen Einblick in ihre Kultur zu erhalten, auch wenn der grösste Teil davon höchstwahrscheinlich inszeniert war.

Titicaca

Wir fuhren zuerst die Islas flotantes de los Uros an. Diese künstlichen Inseln bestehen komplett aus Eukalyptuswurzeln und Schilf und schwimmen auf der Oberfläche des Titicacasees. Da der Schilf im Wasser aber langsam vermodert, müssen die Inseln alle paar Wochen quasi erneuert werden, indem Schilf nachgelegt wird. Dabei müssen jedes Mal die Hütten der Menschen hochgehoben und versetzt werden.

Auf den 107 schwimmenden Inseln wohnen heute noch rund 2000 Menschen, die zu 70% Katholiken, zu 20% Adventisten und zu 10% Mormonen sind, wie uns unser Guide Ruben erklärte. Das Inseldorf hat zwar zwei Grundschulen, aber kein Spital. Dafür müssen die BewohnerInnen jedes Mal extra nach Puno fahren.

Titicaca

Titicaca

Titicaca

Titicaca

Titicaca

Nach dem Besuch der schwimmenden Inseln kletterten wir wiederum in unser Boot und richteten uns gemütlich ein für die dreistündige Fahrt zur Insel Amantani. Leider dauerte die Fahrt etwas mehr als drei Stunden, denn bereits zu Beginn der Fahrt verfingen sich Algen im Motor unseres Bootes, sodass wir eine Weile warten mussten, bis uns schliesslich ein Ersatzboot abholte und aus der misslichen Lage befreite. So kam es, dass wir erst gegen 14:30 Uhr in Amantani eintrafen und unsere Mägen zu dem Zeitpunkt schon ziemlich laut knurrten! Wir wurden in kleinen Gruppen verschiedenen Mamas und Papas zugeteilt, bei denen wir heute zu Mittag und zu Abend essen und übernachten würden. Unsere Mama hiess Inocencia und nahm uns mit einem herzhaften Lachen in Empfang. Bei ihr zuhause gab es ein feines Mittagessen (Quinoasuppe, verschiedene typische Gemüse und Kartoffeln), das uns stärkte für den anschliessenden Spaziergang auf den Hügel zum Tempel der Pachamama (Mutter Erde). Dort oben nahmen wir an einem Dankesritual teil und schauten uns den Sonnenuntergang über dem Titicacasee an, bevor wir uns schnellstmöglich wieder auf den Weg zu unserem Nachtquartier begaben. Die Temperaturen fallen hier nämlich rasant sobald die Sonne weg ist und es wird in Windeseile bitterkalt. In Inocencias Küche gab es für uns Znacht und danach kleidete sie uns ein für die Fiesta, die am Abend im Dorf stattfinden sollte.

Auf Amantani wohnen übrigens rund 4000 Menschen in zehn Gemeinden. Wie bei den Uros lebt auch hier inzwischen der Grossteil der Bevölkerung vom Tourismus.

Titicaca

Titicaca

Titicaca

Titicaca

titicaca
An der Fiesta. ;-)

Am nächsten Morgen weckte uns Inocencia um 6 Uhr, machte uns Pancakes zum Frühstück und begleitete uns dann zum Hafen, wo unser Boot schon auf uns wartete. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg zur letzten Insel der Tour, der Insel Taquile.

Taquile ist nur 7km lang und 1km breit und beheimatet rund 2000 Menschen in sechs Gemeinden. Ruben erklärte uns, was die Kleidung der Einheimischen alles über sie verrät. So sind Männer und Jungen, die eine weiss-rote Mütze tragen, unverheiratet und diejenigen mit einer roten Mütze verheiratet. Als Kinder tragen sie die Mütze nach hinten gefaltet, wenn sie Jugendliche und single sind, wechselt die Mütze auf die rechte Seite und sobald sie eine Freundin haben und mit ihr zusammenwohnen, tragen sie sie auf der linken Seite. Trägt ein Mann statt einer Mütze einen schwarzen Hut, so erkennt man daran, dass er eine Autoritätsperson ist. Bei den Frauen sind es die Pompoms, die sie in ihren Haaren tragen, die ihren Zivilstand verraten. Hat sie kleine Pompoms, so ist sie single und hat sie grosse, so ist sie verheiratet. Ziemlich ausgeklügeltes System, oder? 😉

Titicaca
Unsere Mama Inocencia.

Titicaca

Titicaca
Natürlich fand auch auf Taquile „zufälligerweise“ genau als wir da waren eine Musik- und Tanzshow statt!

Titicaca

Titicaca

Titicaca
Erkennt ihr die vielen Autoritätspersonen?

Titicaca

Titicaca
Er trägt eine rote Mütze, also ist er verheiratet.

Titicaca

Nachdem wir der Musik- und Tanzshow auf dem Dorfplatz zugeschaut hatten, spazierten wir zum anderen Ende der Insel, wo uns bereits unser Mittagessen erwartete. Und danach ging es auch schon wieder zurück auf unser Boot und zurück nach Puno.

Ich kann nun gut verstehen, wieso viele Reisende den Titicacasee als zu touristisch empfinden, denn der ganze Ausflug war sehr kommerziell und alle Darbietungen nur für die Touristen inszeniert. Trotzdem fand ich es sehr spannend, diese Kulturen ein bisschen kennenzulernen. Ausserdem lohnte sich die Tour nur schon wegen der speziellen Landschaft und der beeindruckenden Szenerie.

Titicaca

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *