Guatapé – das wahrscheinlich farbenfrohste Dorf der Welt

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Wo waren wir? Immer noch in Medellín. 😉 Da ich unter der Woche vor allem die Stadt und mein Quartier El Poblado erkundet habe, beschloss ich, am Wochenende einen Tagesausflug zur Piedra del Peñon und nach Guatapé zu unternehmen. Ich war etwas spät dran mit der Tourbuchung und hatte mich am Freitagabend immer noch nicht entschieden, mit welchem Tourveranstalter ich den Ausflug am nächsten Tag (!) machen wollte. Da die Zeit langsam knapp wurde, wählte ich schliesslich einfach den erstbesten Anbieter aus und kontaktierte Tours Guatapé auf Spanisch per Whatsapp. Ich wollte testen, ob meine Spanischkenntnisse genügten, um eine Tour zu buchen. Zum Glück hatten sie noch Platz für mich und ich bestätigte meine Teilnahme. Ich war ziemlich stolz, dass ich sogar die Sprachnachricht des Tourveranstalters verstand und ohne Dictionnaire auf Spanisch beantworten konnte. Die Tour nach Guatapé wird zwar auf Spanisch und auf Englisch angeboten, ich ging aber davon aus, dass man meinen spanischen SMS anmerken würde, dass Spanisch nicht meine Muttersprache ist, und dass man mich folglich der englischen Tour zuteilen würde.

Ich erschien also am nächsten Morgen früh am Treffpunkt, meldete mich bei der Reiseführerin an und wurde einem der beiden Reisebusse zugewiesen. Etwa 15 Minuten später fuhren wir los und bald darauf begann unsere Führerin Estefania damit, uns die praktischen Infos der Tour zu vermitteln. Auf Spanisch. Ich wartete vergeblich auf die englische Übersetzung. Alles nur auf Spanisch. Irgendwann bemerkte ich, dass alle um mich herum auch nur Spanisch sprachen. Als wir dann einer nach dem anderen sagen mussten, woher wir kamen – „Ecuador!“, „Bogotá!“, „Panama!“, „Peru!“, „Medellín!“ – und ich mit „Suiza!“ die totale Exotin war, war mir schliesslich klar, dass ich in der spanischen Tour gelandet war. Naja, wenigstens war es eine gute Übung für mein Spanisch!

Die erste Station unserer Tour – nach einem kurzen Verpflegungshalt, bei dem es Arepa con Queso mit heisser Schokolade gab –  war das kleine Dorf Marinilla. Das Dorf wird auch „kolumbianisches Sparta“ genannt. Aber nicht, weil die Einwohner so tapfere Krieger gewesen waren, sondern weil sich die Männer von Marinilla während des kolumbianischen Unabhängigkeitskriegs als einziges Dorf freiwillig gemeldet hatten (die Männer der anderen Dörfer mussten dazu gezwungen werden).

marinilla

Heute sieht man jedoch nicht mehr viel von der kriegerischen Vergangenheit des Dorfes ausser diesem Monument, das auf der einen Seite den Soldaten des Dorfes und auf der anderen Seite Doña Simona Duque gewidmet ist. Simona Duque ist eine Heldin der Region Antioquia und ein Symbol des kolumbianischen Unabhängigkeitskriegs. In vielen Orten ist eine Strasse oder ein Platz nach ihr benannt, da sie während des Krieges fünf ihrer sechs Söhne für die Rebellentruppen gestellt haben soll. Die fünf Söhne sind im Krieg gestorben, aber Simona Duque soll sogar auf ihrem Sterbebett noch gesagt haben: „Que mis hijos sirvan a la Patria cada vez que los necesite. (Meine Söhne sollen jedes Mal der Heimat dienen, wenn sie gebraucht werden.)“.

Und wie heisst wohl der zentrale Platz von Marinilla? Genau, Plaza Simón Bolívar.

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pueblo el penol

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Unser nächster Stopp war das Dorf El Peñol. Dieses Dorf befand sich früher an einem anderen Ort, nicht weit vom jetzigen Standort, und musste dann einem Stausee weichen. Deshalb wurde es 1978 „umgesiedelt“ und komplett neu gebaut. Die Kirche, die wie ein grosser Felsblock aussieht und damit an den Peñon de Guatapé (siehe weiter unten) erinnert, ist übrigens kein echter Fels sondern nur eine Nachahmung. Das ganze Dorf steht unter dem Motto der Auferstehung, so fährt man zum Beispiel an einer Phönix-Statue vorbei und der Jesus in der Kirche ist nicht wie üblich am Kreuz dargestellt sondern als Auferstandener. Leider ging bei der Umsiedelung des Dorfes die koloniale Architektur des Dorfes verloren und alle Gebäude wurden in einem neuen Stil erbaut, was damals vielen DorfbewohnerInnen missfiel. Mittlerweilen haben sich aber angeblich alle an das neue Dorf gewöhnt und profitieren dank ihrer speziellen Geschichte von einem konstanten Strom an Touristen.

pueblo el penol

pueblo el penol

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Auf den nächsten Halt habe ich mich schon gefreut, als ich noch gar nicht in Kolumbien war: El Peñon de Guatapé! Ein riesiger Monolith, der mitten in der Landschaft steht und den man besteigen kann, indem man die 740 Treppenstufen bezwingt. Ja, es sind viele Treppenstufen, aber für diese Aussicht würde ich wahrscheinlich auch doppelt so viele Stufen hochsteigen!

el penon

piedra del penon

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Meine neuen Bekanntschaften: Natalia aus Quito und Angie aus Bogotá.
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Ist die Landschaft nicht traumhaft? Vor allem, wenn man bedenkt, dass der ganze See künstlich angelegt ist.
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Wir haben es geschafft!

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Siegerselfie nach der erfolgreichen Besteigung des Peñon mit Javier und Ronny aus Lima und Maria aus Ecuador.

Nach den 740 (bzw. 1480 denn wir mussten ja auch wieder herunterkommen) Treppenstufen hatten wir alle ziemlich grossen Hunger, was sich gut traf, denn unser nächster Programmpunkt war das Mittagessen.

Gestärkt und satt begaben wir uns anschliessend auf unser Boot, mit dem wir eine kleine Rundfahrt auf dem künstlichen See machten. Es wurde lauter Reggaeton gespielt, Bier getrunken, getanzt und natürlich die wunderbare Aussicht genossen. Von mir aus hätte die Fahrt gerne noch länger dauern können, es war echt gemütlich.

guatapé boot

guatape boot

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Der Peñon de Guatapé von Weitem.

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Mit einer ziemlich roten Schulterpartie (ja, ich hatte mich eingecremt, aber es war wohl nicht genug) kam ich danach wieder in Guatapé an, wo wir uns endlich daran machten, das Dorf zu erkunden. Und wie es der Titel dieses Beitrags schon sagt: Ich habe noch nie ein so farbenfrohes und liebevoll geschmücktes Dorf gesehen. Da steckt aber auch eine Strategie dahinter, denn eigentlich hatten zuvor nur die sehr reichen BewohnerInnen ihre Häuser mit den detailreichen Zócalos (Sockeln) verziert. Vor ein paar Jahren beschloss die Gemeinderegierung dann aber, dass von nun an ausnahmslos jedes (!) Haus Zócalos haben und farbig angemalt sein muss. So hat sich Guatapé selbst zum Pueblo de los Zócalos gemacht und hat darauf sogar eine Art Patent. Keine andere Ortschaft in Kolumbien darf jedes Haus mit Zócalos ausstatten. Die anderen Dörfer dürfen zwar auch Zócalos haben, aber nicht an jedem einzelnen Haus. Ziemlich clever, oder?

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Ein paar Beispiele von Zócalos.

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plaza de los socalos guatape

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Plaza de los Zócalos
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Ein Teil unserer Reisegruppe mit unserer Reiseführerin Estefania in der Mitte.

guatape regenbogen

Und als wäre der Ausflug nicht schon genug beeindruckend gewesen, hat uns Guatapé zum Abschluss mit einem wunderschön klaren Regenbogen direkt über der Kirche verabschiedet.

Schlussendlich war es toll, dass ich die spanische Tour gemacht hatte. Denn ich konnte dabei nicht nur mein Spanisch üben und verbessern sondern lernte auch sehr nette Leute kennen, die alle an Orten wohnen, die auf meinem weiteren Reiseplan stehen. Ich kann nun Angie in Bogotá, Natalia in Quito und Javier und Ronny in Lima besuchen und freue mich schon darauf, sie alle wiederzusehen. 🙂

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