So sauber wie noch nie! – ein Besuch im Hamam

hamam-türkei-bad-izmir

Wenn man schon in der Türkei ist, gehört ein Besuch im Hamam wohl einfach dazu, oder? Dieser Meinung waren wir auch und entschieden uns, diesen Punkt auf der To-Do-Liste nicht im touristischen Istanbul sondern im entspannten Izmir abzuhaken.

Wir fragten also den immer sehr hilfsbereiten Rezeptionisten unseres Hotels nach dem besten Hamam der Stadt und er zeichnete es uns auf einem Stadtplan ein. Mit der Karte in der Hand machten wir uns also zu Fuss auf den Weg zum Badehaus. Unterwegs – wie kann es anders sein! – schlugen wir den falschen Weg ein und machten, wie wir später erst merkten, einen riesigen Umweg und unzählige unnötige Höhenmeter, bis wir schliesslich vor dem Hamam standen, das ein wenig zurückversetzt an einer Hauptstrasse lag.

hamam-türkei-bad-izmir
Zum Glück hatte uns der Rezeptionist vorher informiert, dass von 7h – 11h und von 17h – 23h die Männer und nur von 11h bis 17h die Frauen dran sind. Die Informationstafel war nur auf türkisch und wir hätten ziiiemlich ins Fettnäpfchen treten können, wenn wir nicht vorher die zeitliche Aufteilung nach Geschlechtern bereits gekannt hätten!

Wir gingen also hinein und fanden uns sofort unter halbnackten Frauen wieder. Da war kein Empfangsraum, keine Garderobe, nichts. Man stand direkt im Entspannungsraum des Bades. Na gut, wenigstens waren da nur Frauen und keine halbnackten Männer! Eine der Angestellten nahm sich dann aber sogleich unserer an, verkaufte uns je ein Bad und eine Massage und zeigte uns die Umkleidekabine. Wir zogen unsere Bikinis an (im Nachhinein hätte eine einfache Unterhose auch gereicht, wie sie alle türkischen Frauen trugen), bekamen ein Tuch zum Herumwickeln und wurden in den Waschbereich hinübergeführt. Der Waschbereich (er sah vergleichbar aus wie dieser hier) war ein runder, grosser, hoher Raum, der mit Marmor ausgekleidet war und einen steinernen Tisch, den Nabeltisch, in der Mitte hatte. An den Wänden rundherum waren kleine Waschbecken mit Wasserhähnen und dazwischen Sitzbänke, wo wir uns hinsetzen und uns waschen sollten. Wir setzten uns hin, wuschen uns mit dem angenehm kühlen Wasser – im Waschbereich war es etwa so heiss und feucht wie in einem Dampfbad – und warteten, bis wir für die Wäsche an der Reihe waren. Irgendwann kamen dann zwei Angestellte zu uns und wiesen uns an, uns mit dem Bauch auf den Nabeltisch zu legen. Und dann wurden wir mit einem rauen Handschuh am ganzen Körper geschrubbt! Und zwar wirklich am ganzen Körper – zuerst lagen wir auf dem Bauch, dann auf der einen Seite, auf dem Rücken, auf der anderen Seite und schliesslich standen wir, damit sie wirklich jeden Quadratzentimeter unserer Körper abrubbeln konnte. Dann mussten wir uns wieder hinlegen und nun kam der angenehme Teil: Sie schäumten uns mit ganz viel Schaum ein – natürlich wieder am ganzen Körper und auf jeder Seite – und massierten uns. Sogar die Haare wurden uns eingeseift und gewaschen! Dieser Teil hätte von uns aus gerne noch länger dauern können, wir schmolzen so richtig dahin. Wir wurden aber ziemlich schnell aus unserem Genuss herausgerissen, als uns ohne Vorwarnung der erste Schwall kühles Wasser traf! Natürlich musste der ganze Schaum wieder weg und wir wurden mit kübelweise Wasser abgespült, manchmal auch mitten ins Gesicht. Als wir dann sauber waren – so sauber sind wir wahrscheinlich unser ganzen Leben noch nie gewesen! – hielten uns die Frauen die nun pflutschnassen Handtücher hin und geleiteten uns nach draussen in den Ruhebereich. Da wir aber auch eine Massage gebucht hatten, ging es gleich weiter und wir wurden in einer kleinen Kabine im oberen Stock so richtig durchgeknetet. Danach fühlten wir uns so wohlig und entspannt wie Babies und wollten eigentlich gar nicht mehr aufstehen.

Tja, leider hat alles ein Ende und wir zogen uns wieder an – aber nicht ohne vorher noch ein Hamam-Selfie gemacht zu haben! 🙂

hamam-türkei-bad-izmir-4

Wir hatten im Voraus viele Kommentare online gelesen, die beschrieben, wie die Hamam-Angestellten regelrecht auf Trinkgeld drängten und immer wieder darauf hinwiesen. Wir machten aber eine ganz andere Erfahrung: Wir wollten unseren Frauen gerne Trinkgeld geben, mussten sie aber suchen gehen, da sie bereits wieder an der nächsten Behandlung waren. Sie waren ganz überrascht, als wir ihnen das Geld in die Hand drückten und bedankten sich überschwänglich. Und dann mussten sie gleich wieder gehen, um weiterzuarbeiten.

Wir hätten sehr gerne noch ein bisschen mit ihnen geredet, denn mit Türkinnen hatten wir bis jetzt wenig Kontakt, aber leider wäre das auch bei mehr Zeit eher schwierig gewesen, da sie nur türkisch sprachen. Wenigstens schafften wir es, mit Händen und Füssen während der Behandlung unsere Namen auszutauschen und zusammen über Evas und meine Ungeschicktheit zu lachen.

hamam-türkei-bad-izmir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *